Lettland

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Lettland
Republik Lettland

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LeŐ£tt|land; -s:
Staat in Nordosteuropa.

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LeŐ£ttland,
 
 
 
Fläche: 64 589 km2
 
Einwohner: (2000) 2,37 Mio.
 
 
Amtssprache: Lettisch
 
 
Währung: 1 Lats (Ls) = 100 Santimu(s)
 
 
lettisch LaŐ£tvija, amtlich lettisch LaŐ£tvijas RepuŐ£blika, deutsch LeŐ£ttische Republik, Staat in Nordosteuropa, grenzt im Westen an die Ostsee, im Norden an die Rigaer Bucht und an Estland, im Osten an Russland, im S√ľdosten an Wei√ürussland und im S√ľden an Litauen; mit einer Fl√§che von 64 589 km2 fast so gro√ü wie Bayern, (2000) 2,37 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Riga, die Amtssprache ist Lettisch. W√§hrung ist der Lats (Ls) = 100 Santimu (s). Zeitzone: MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der am 6. 7. 1993 wieder in Kraft getretenen Verfassung vom 15. 2. 1922 ist Lettland eine parlamentarische Republik. Da die Verfassung keinen Grundrechtskatalog enth√§lt, wird sie durch ein spezielles Verfassungsgesetz √ľber die Rechte und Pflichten des Menschen und des B√ľrgers vom 10. 12. 1991 erg√§nzt, in dem die Grundrechte dem internationalen Standard entsprechend gew√§hrleistet sind. Die lettische Gesetzgebung geht von einer Kontinuit√§t des Staatsvolkes zum Zeitpunkt der sowjetischen Besetzung aus und betrachtet alle nach dem 17. 6. 1940 angesiedelten Personen (v. a. Russen) als nicht wahlberechtigte Ausl√§nder. Gem√§√ü Staatsangeh√∂rigkeitsgesetz vom 22. 7. 1994 haben diese Ausl√§nder allerdings die M√∂glichkeit, auf Antrag eingeb√ľrgert zu werden, wobei die Zul√§ssigkeit der Antragstellung nach Personengruppen zeitlich gestaffelt ist. F√ľr Nichtletten ist der Erwerb der Staatsb√ľrgerschaft an mindestens f√ľnf Jahre st√§ndigen Aufenthalts im Land, an einen Sprachtest und an den Verzicht auf andere Staatsb√ľrgerschaften gebunden (ausgenommen Exilletten, die sich bis zum 1. 7. 1995 haben registrieren lassen).
 
Als Staatsoberhaupt fungiert der vom Parlament auf drei Jahre gew√§hlte Pr√§sident (nur einmalige Wiederwahl in direkter Folge m√∂glich). Der Pr√§sident hat das Recht der Gesetzesinitiative, kann gegen Gesetzesbeschl√ľsse sein Veto einlegen und verf√ľgt √ľber Notstandsbefugnisse. Die vollziehende Gewalt wird von der Regierung unter Vorsitz des Ministerpr√§sidenten ausge√ľbt. Der Regierungschef und die Mitglieder des Kabinetts werden vom Staatsoberhaupt ernannt; ihre Ernennung bedarf der Vertrauensabstimmung durch das Parlament. Ein Misstrauensvotum gegen den Ministerpr√§sidenten wie auch einzelne Minister ist zul√§ssig. Die Legislative liegt beim Einkammerparlament (Saeima), dessen 100 Abgeordnete im System der Verh√§ltniswahl nach Wahlkreislisten f√ľr drei Jahre gew√§hlt werden (Wahlrecht ab dem 18. Lebensjahr). Die Sperrklausel von 4 % auf Landesebene wurde durch das neue Wahlgesetz vom 26. 5. 1995 auf 5 % erh√∂ht. Eine vorzeitige Parlamentsaufl√∂sung ist nur durch einen Volksentscheid m√∂glich, der vom Pr√§sidenten jederzeit angeordnet werden kann. F√ľr eine Suspendierung des Parlaments ist die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erforderlich. Spricht sich indes die Mehrheit der Abstimmenden gegen eine Parlamentsaufl√∂sung aus, so ist der Pr√§sident automatisch abgesetzt. Die Errichtung eines Verfassungsgerichts ist vorgesehen.
 
Parteien:
 
Die Parteienlandschaft ist breit gef√§chert und umfasst rd. 40 Parteien. Am einflussreichsten sind die Volkspartei (TP, gegr√ľndet 1998, rechtsliberal), die liberalkonservative Union Lettlands Weg (LC, gegr√ľndet 1993), die nationalistische Bewegung F√ľr Vaterland und Freiheit (TB/LNNK, gegr√ľndet 1997), die f√ľr die Integration der nichtlettischen Bev√∂lkerungsgruppen eintretende Partei Eintracht f√ľr Lettland (TSP, gegr√ľndet 1993), die Sozialdemokratische Union (LSDA, entstanden 1997 durch Fusion von Lettischer Sozialdemokratischer Arbeiterpartei und Lettischer Sozialdemokratischer Partei) und Neue Partei (JP, gegr√ľndet 1998, mitte-links). Parteipolitisch bedeutungslos ist die Sozialistische Partei (LSP, Nachfolgeorganisation der KP).
 
 
1990 wurde das 1922-40 g√ľltige Wappen wieder eingef√ľhrt. Der Schild zeigt in der oberen H√§lfte eine goldene Sonne auf blauem Grund f√ľr Lettgallen, in der geteilten unteren einen roten L√∂wen auf silbernem Grund f√ľr Kurland und einen silbernen Greif auf rotem Grund f√ľr Livland. √úber dem Schild stehen drei goldene Sterne (f√ľr die historischen Landesteile Lettgallen, Livland und Kurland). Schildhalter sind rechts der silberne Greif und links der rote L√∂we. Unter dem Schild breiten sich Eichenzweige mit einer Schleife in den Landesfarben Karminrot-Wei√ü-Karminrot aus.
 
Nationalfeiertage:
 
18. 11. zur Erinnerung an die Proklamation der ersten lettischen Republik 1918.
 
 
Die vier historischen Regionen (Livland, Kurland, Semgallen, Lettgallen) sind in 26 Kreise (¬Ľrajons¬ę), sieben kreisfreie St√§dte (darunter die Hauptstadt Riga), 69 Kreisst√§dte und 483 l√§ndliche Gemeinden als kommunale Selbstverwaltungsk√∂rperschaften eingeteilt. Beschlussorgane der Selbstverwaltung sind die Kreis-, Stadt- und Gemeinder√§te. Der Rat w√§hlt seinen Vorsitzenden, der die Verwaltung √ľber einen auf seinen Vorschlag vom Rat gew√§hlten Vollzugsdirektor leitet. Der Ratsvorsitzende nimmt auch die √ľbertragenen Verwaltungsaufgaben wahr.
 
 
Die Rechtsprechung liegt in den H√§nden einer von der Verfassung garantierten unabh√§ngigen Gerichtsbarkeit. Das Gerichtswesen besteht auf der untersten Ebene aus Stadt- und Kreisgerichten, auf mittlerer Ebene aus Bezirksgerichten (zugleich Appellationsinstanzen f√ľr Urteile der untersten Ebene) sowie aus dem Obersten Gericht als h√∂chster Instanz.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit 18 Monate, Reduzierung auf 12 Monate geplant) betr√§gt rd. 8 000 Mann. Paramilit√§rischer Charakter hat die 1991 gegr√ľndete ¬ĽHeimwehr¬ę (Zemessardze) mit etwa 15 600 Freiwilligen, gegliedert in f√ľnf ¬ĽBrigaden¬ę (nur zum Teil bewaffnet). Die ¬ĽGrenzgarde¬ę mit rd. 3 000 Mann ist seit 1997 dem Innenminister unterstellt. Die Ausr√ľstung umfasst au√üer leichten Waffen einige Hubschrauber, Schul- und Transportflugzeuge sowie Kleine Kampfschiffe. - Lettland verwendet etwa 3 % der Staatsausgaben f√ľr die Verteidigung. Das Land trat 1994 der ¬ĽPartnerschaft f√ľr den Frieden¬ę der NATO bei und ist seit 1994 assoziierter Partner der WEU.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Lettland, die mittlere der drei baltischen Republiken, liegt im Nordwesten der glazial √ľberformten Osteuropischen Ebene. Zwei gro√üe Gletscherzungen formten vor 25 000-12 000 Jahren hier die Oberfl√§che. Die von ihnen hinterlassenen Grundmor√§nen und Endmor√§nenz√ľge bestimmen mit kuppigen H√∂hen und zahlreichen eingelagerten Seen (LubńĀns-, Raznas-, Usmassee) die Oberfl√§che. S√ľdlich der Rigaer Bucht erstreckt sich beiderseits der weit verzweigten Kurl√§ndischen Aa (Lielupe) die Semgallener Ebene, die im S√ľden in das mittellitauische Flachland √ľbergeht. Diese Ebene ist von H√∂henz√ľgen umgeben: im Westen liegen die Kurl√§ndischen H√∂hen (bis 184 m √ľber dem Meeresspiegel), die nach Nordwesten hin zur Senke der unteren Windau (Venta) abfallen. Im Osten wird die zentrale Niederung vom Mittellivl√§ndischen H√∂henzug am Oberlauf der Livl√§ndischen Aa (Gauja) begrenzt, dessen h√∂chste Erhebung der 312 m √ľber dem Meeresspiegel aufragende Berg Gaising (Gaizinakalns), die h√∂chste Erhebung Lettlands, ist. Im Osten Lettlands setzt sich von Litauen her der Baltische H√∂henzug mit den Lettgallener H√∂hen fort. Die h√ľgelige und seenreiche Endmor√§nenkette wird vom S√ľden vom tiefen Urstromtal der D√ľna (Daugava) durchschnitten. Zwischen den Lettgallener und Mittellivl√§ndischer H√∂hen erstreckt sich die gro√üe Senke des LubńĀnssees (Lubahner Sees), der mit 82 km2 der gr√∂√üte der vor allem im Osten des Landes liegenden 2 256 Binnenseen Lettlands ist.
 
Lettland verf√ľgt √ľber ein dichtes Flussnetz; 768 Fl√ľsse haben eine L√§nge von mehr als 10 km. Wichtigster Fluss des Landes ist die D√ľna, die auf einer L√§nge von 357 km durch Lettland flie√üt. Sie m√ľndet im Stadtgebiet von Riga in die Ostsee und ist im Unterlauf schiffbar.
 
 
Durch die N√§he zur Ostsee mit der tief ins Festland einschneidenden Rigaer Bucht sind weite Teile Lettlands vom maritimen Klima bestimmt. Aber auch die H√∂henlage wirkt sich auf das Klima mit niedrigeren Temperaturen aus. K√§lteste Monate sind Januar (im Ostteil) und Februar (an der K√ľste). Das Julimittel betr√§gt 16,0 ¬ļC an der K√ľste und 17,5 ¬ļC im Osten, das Januarmittel regional entsprechend ‚ÄĒ3 ¬ļC beziehungsweise ‚ÄĒ7 ¬ļC. Die mittleren Jahresniederschl√§ge liegen an der K√ľste und in den Niederungen zwischen 550 und 600 mm, in den H√∂henlagen bei 700 bis 800 mm.
 
 
Mehr als ein Drittel des Landes sind bewaldet. √úber die H√§lfte der Waldfl√§che werden von Kiefernw√§ldern eingenommen. Feuchte Bruchw√§lder der Flussniederungen bestehen v. a. aus Schwarzerle mit Aspe und Birke. In der Semgallener Ebene und in einigen Flusst√§lern findet sich Gro√ünadelwald mit Eibenbeimischungen und Haselunterholz. Gro√üe Waldmassive haben sich auf wenig fruchtbaren und auf feuchten B√∂den erhalten, besonders in der K√ľstentiefebene, in der Senke um die Windau (Venta) und um den Usmassee. Etwa 10 % des Territoriums sind vermoort. Besonders gro√üe S√ľmpfe gibt es im K√ľstentiefland und in der LubńĀnssenke; 41,7 % aller Moore sind Hochmoore. Die landwirtschaftlich genutzte Fl√§che befindet sich gr√∂√ütenteils in der fruchtbaren Semgallener Ebene. Durch die Trockenlegung von S√ľmpfen wurde sie in historischer Zeit betr√§chtlich erweitert. Im Urstromtal der Livl√§ndischen Aa liegt der 920 km2 gro√üe Gaujanationalpark.
 
Neben den gro√üen St√§dten ohne Kl√§ranlagen sind besonders die Papier- und Zellstoffindustrie sowie die Landwirtschaft f√ľr die Gew√§sserverschmutzung verantwortlich. Gro√üe Gefahren gehen von den Altlasten der abgezogenen Sowjetarmee auf einer sanierungsbed√ľrftigen Fl√§che von etwa 1 000 km2 aus (besonders an der Ostseek√ľste und im Seenbereich des Ostens).
 
 
Lettland musste im Zweiten Weltkieg w√§hrend der sowjetischen und deutschen Besatzungszeit und durch Deportationen zu Anfang der sowjetischen Zwangsherrschaft hohe Bev√∂lkerungsverluste hinnehmen. Etwa 320 000 Letten fielen sowjetischen Massendeportationen zum Opfer (1941, 1949), sind im Krieg gefallen oder haben das Land 1944 auf der Flucht vor den anr√ľckenden Truppen der Roten Armee verlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte im Zuge des Aufbaus gro√üer Industriekombinate der massenhafte Zuzug russischsprachiger Arbeitskr√§fte. Der Anteil der Letten ging von (1935) 75 % auf (1989) 52 % zur√ľck, der Anteil der Russen, Wei√ürussen und Ukrainer nahm entsprechend von 12 % auf 42 % zu. Seit Wiederherstellung der Unabh√§ngigkeit haben sich die Zahlen zugunsten der Letten verschoben, da ein Teil der russischen Bev√∂lkerung das Land verlie√ü. Der Anteil der Letten erreichte 2000 57,6 %, der der Russen 29,6 %, der Wei√ürussen 4,1 %, der Ukrainer 2,7 %, der Polen 2,5 % und der Litauer 1,4 %. Nur in vier der zehn gr√∂√üten St√§dte des Landes stellen Letten die Mehrheit. In der Hauptstadt Riga, in Daugavpils und im lettgallischen S√ľden des Landes gibt es starkes russisches √úbergewicht.
 
Die mittlere Bev√∂lkerungsdichte betr√§gt 37 Einwohner/km2. Am dichtesten sind die zentrallettische und die Semgallener Ebene um die Stadt Riga besiedelt. D√ľnn bev√∂lkert sind der Ostteil von Kurland und der √∂stliche Landesteil. Seit f√ľnf Jahren gibt es ein negatives nat√ľrliches Bev√∂lkerungswachstum. Der Anteil der st√§dtischen an der Gesamtbev√∂lkerung nahm 1925-99 von 34 % auf 69 % zu. Gr√∂√üte Stadt Lettlands ist die Hauptstadt Riga mit (2000) 796 700 Einwohner; hier wohnt etwa ein Drittel der Bev√∂lkerung des Landes. Die n√§chstgr√∂√üeren St√§dte (Einwohner von 2000) sind Daugavpils (114 800), LiepńĀja (95 400), Jelgava (70 900), JŇęrmala (58 900), Ventspils (46 500) und Rńďzekne (40 600 Einwohner).
 
 
Die Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit wird durch die Verfassung garantiert. Die Religionsgemeinschaften unterliegen der Pflicht der staatlichen Registrierung beim Justizministerium. Grundlage der Religionspolitik ist das ¬ĽGesetz √ľber religi√∂se Organisationen¬ę in der Fassung von 1999. Der Rechtsstatus der katholischen Kirche ist dar√ľber hinaus in einem 2000 zwischen der Regierung und dem Heiligen Stuhl geschlossenen Vertrag geregelt. - Seit der Einf√ľhrung der Reformation in Lettland (1522) bis zur sowjetischen Annexion (1940) geh√∂rte die Mehrheit der lettischen Christen der evangelisch-lutherischen Kirche an. Nach 1945 ging ihr Anteil stetig zur√ľck, sodass heute (2000) die bis 1940 mehrheitlich nur in Lettgallen (¬ĽPolnisch-Livland¬ę) vertretene katholische Kirche mit rd. 400 000 Mitgliedern die zahlenm√§√üig st√§rkste Konfession in Lettland ist (Erzbistum Riga mit drei Suffraganbist√ľmern [Jelgava, LiepńĀja, Rńďzekne-Aglona]). Etwa 500 000 Letten f√ľhlen sich nach Umfragen der lutherischen Kirche verbunden, wobei die Zahl der in den 304 Kirchengemeinden der ¬ĽEvangelisch-Lutherischen Kirche Lettland¬ę eingeschriebenen Mitgliedern mit rd. 34 000 (1930: 1, 057 Mio.) jedoch sehr viel geringer ist. Neben ihr besteht seit 1944 die Lettische Evangelisch-Lutherische Kirche im Ausland. Der russisch-orthodoxen Kirche (Erzbistum ¬ĽRiga und ganz Lettland¬ę; √ľber 100 Gemeinden) f√ľhlt sich ein gro√üer Teil der Russen verbunden. Die etwa 90 000 Altgl√§ubigen geh√∂ren zum Zweig der priesterlosen Pomorzy (Sitz des lettischen Gemeindeverbandes in Riga). Daneben bestehen adventistische, baptistische und pfingstkirchliche Gemeinden sowie charismatische Gruppen. - Die sechs j√ľdischen Gemeinden z√§hlen rd. 5 000, die drei muslimischen Gemeinden rd. 450 Mitglieder; es gibt eine Hare-Krishna-Gemeinde.
 
 
Im Vorschulbereich werden nur noch etwa 28 % der Kinder dieser Altersstufe betreut. W√§hrend im Primarschulbereich (die allgemein bildende Mittelschule mit einer Schulzeit von neun Jahren) zu etwa 80 % Lettisch Unterrichtssprache ist, sind es im Sekundarbereich knapp 50 %. Im Primarbereich gibt es neben lettischen (75 %), russisch-lettischen (12 %) und russischen (12 %) auch polnische Schulen (1 %). Im Sekundarbereich gibt es ebenfalls lettische (41 %), russisch-lettische (18 %) und russische Schulen (41 %), au√üerdem je eine polnische, ukrainische, hebr√§ische und estnische Schule. Die Oberstufe umfasst weitere drei Schuljahre, daneben gibt es mittlere Fachschulen (drei bis sechs Schuljahre), an denen ebenfalls die Hochschulreife erworben werden kann. Au√üerdem bestehen technisch-berufliche Schulen (ein bis drei Schuljahre). Die Alphabetisierungsquote betr√§gt 99 %. Lettland hat eine Universit√§t (gegr√ľndet 1919) und eine TH in Riga sowie f√ľnf diesen gleichgestellte Akademie und Hochschulen sowie weitere Hochschuleinrichtungen.
 
 
Presse: Die meisten Tageszeitungen und Magazine werden im Verlag Preses nams ver√∂ffentlicht. Wichtigste Tageszeitung ist die liberale ¬ĽDiena¬ę, Riga (gegr√ľndet 1990, in Lettisch und Russisch). Von Bedeutung sind ferner ¬ĽSM-Segodnja¬ę (in Russisch), ¬ĽNeatkarńęgńĀ CńęŇÜa¬ę (gegr√ľndet 1990) und ¬ĽRńęgas Balss¬ę (in Lettisch und Russisch) sowie ¬ĽVakara ZiŇÜas¬ę und die Wirtschaftszeitung ¬ĽDienas Bizness¬ę. - Nachrichtenagenturen: ¬ĽBaltic News Service¬ę (BNS, gegr√ľndet 1990), Riga, unabh√§ngig; ¬ĽLatvian Telegraph Agency¬ę (LETA, gegr√ľndet 1920), Riga, staatseigene Agentur. - Rundfunk: Das staatliche ¬ĽLatvijas Radio¬ę, Riga, gegr√ľndet 1925, sendet drei H√∂rfunkprogramme; ¬ĽLatvijas Televńęzija¬ę (LTV), Riga, gegr√ľndet 1954, strahlt zwei Programme aus. Es gibt mehrere private H√∂rfunk- und Fernsehanstalten, darunter ¬ĽRadio Rigai 106,2¬ę, ¬ĽRadio SWH¬ę, ¬ĽRadio Skonto¬ę, ¬ĽAmadeus¬ę, ¬ĽSuper FM¬ę und der religi√∂se Sender ¬ĽKristigais Radio¬ę. Gr√∂√üte private Fernsehsender sind ¬ĽLNT¬ę (gegr√ľndet 1996) und ¬ĽTV 3¬ę.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Lettland war bis 1950 ein Agrarstaat mit wenig Industrie. Durch den unter der Sowjetmacht erfolgten Aufbau einer industriellen Basis entwickelte sich das Land zu einem Industrie-Agrar-Staat. Nach dem starken Wirtschaftsr√ľckgang zu Beginn der Unabh√§ngigkeit stabilisierte sich die Lage nach dem Ausscheiden aus der Rubelzone und der Einf√ľhrung dees Lats als eigenen W√§hrung. Der Weg in die Marktwirtschaft nach der Unabh√§ngigkeit war f√ľr Lettland mit gro√üen √∂konomischen Schwierigkeiten verbunden, wobei besonders die √ľberkommene enge Verflechtung mit der Wirtschaft Russlands und die Abh√§ngigkeit von russischen Brennstofflieferungen gro√üe Probleme bereiteten. Gemessen am Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1999) 2 470 US-$ geh√∂rt Lettland zu den wohlhabenderen L√§ndern der ehemaligen UdSSR. Die gr√∂√üten wirtschaftlichen Probleme resultieren aus einem Mangel an Rohstoffen, einschlie√ülich Erd√∂l und Erdgas, sowie aus dem deutlichen R√ľckgang der Handelsverbindungen mit den √ľbrigen Republiken der fr√ľheren UdSSR. Dank einer restriktiven Geldpolitik konnte der Preisauftrieb gebremst und die Hyperinflation vermindert sowie das Haushaltsdefizit gesenkt werden. 1996 wurde die bis dahin insgesamt nur schleppend vorangekommene Privatisierung durch entsprechende Ma√ünahmen der Regierung beschleunigt und sowohl kleine als auch gro√üe Unternehmen (z. B. die Lattelekom) zur Privatisierung ausgeschrieben und teilweise auch international angeboten. Gr√∂√üte Wachstumsmotoren der Wirtschaft sind der Transithandel (v. a. Erd√∂l), das Transportwesen sowie Holzverarbeitung und Lebensmittelindustrie. Die Zahl der Arbeitslosen betrug 2000 nach offiziellen Angaben 7,8 %, real ist sie aber h√∂her, v. a. im Osten des Landes. wo sie bei etwa 23 % liegt.
 
 
Von der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che, die 40 % der Staatsfl√§che umfasst, sind zwei Drittel Ackerland, ein Drittel Wiesen und Weiden. Die √úbertragung marktwirtschaftlicher Prinzipien gestaltet sich im Agrarsektor offenbar schwieriger als in anderen Wirtschaftssektoren: Die bereits 1989 eingeleitete Agrarreform, welche die Privatisierung der Sowchosen zum Gegenstand hat, wurde 1992 durch das ¬ĽGesetz √ľber die Privatisierung von Grund und Boden¬ę rechtlich geregelt; bis 1996 konnten Antr√§ge auf Landr√ľckerstattung eingereicht werden. 1996 wurden Voraussetzungen f√ľr den Bodenerwerb durch Ausl√§nder geschaffen. Gegenw√§rtig ist die Pflanzenproduktion effizienter als die Tierhaltung, obwohl es vielfach an geeigneten landwirtschaftlichen Maschinen und Ger√§ten fehlt. Trotzdem konnte Lettland Milchprodukte, Fleischerzeugnisse und etwas Getreide exportieren. Neben Futterpflanzen (Anbau auf etwa der H√§lfte der Ackerfl√§che) sind verschiedene Getreide, Kartoffeln, Zuckerr√ľben und Flachs die wichtigsten Anbaupflanzen.
 
 
Unter den baltischen Ländern besitzt Lettland das größte forstwirtschaftliche Potenzial. Holz und -produkte sind die wichtigsten Deviseneinnahmequellen des Landes. 1996 wurden 6,76 Mio. m3 Holz eingeschlagen.
 
 
Fischfang und -verabeitung sind wichtige Zweige der lettischen Wirtschaft. Über den Verlauf der Seegrenzen, die Fischereirechte und Erdölvorkommen betreffen, gibt es zwischen Lettland und den beiden baltischen Nachbarstaaten Differenzen. Wirtschaftlich bedeutsam sind bis heute Hering, Sprotte (Export nach Russland), Stint, Lachs, Forelle, Hecht und Karpfen.
 
 
Lettland ist arm an Rohstoffen. Lediglich Torf, der sowohl im Inland f√ľr den Hausbrand verwandt als auch als Torfstreu exportiert wird sowie Baumaterialien wie Kalk, Sand und Lehm werden in gr√∂√üerem Umfang abgebaut.
 
 
Abgesehen von Wasserkraft (Wasserkraftwerke an der D√ľna) und Torf sind in Lettland kaum Energiequellen vorhanden. Dadurch ist das Land auf die Einfuhr von Energietr√§gern angewiesen. W√§hrend elektrische Energie v. a. aus Estland und Litauen bezogen wird, kommen Erdgas und Erd√∂l vorwiegend aus Russland. 1996 begann mit Unterst√ľtzung der Europ√§ischen Bank f√ľr Wiederaufbau und Entwicklung die Modernisierung der Wasserkraftwerke.
 
 
Lettland z√§hlte in der UdSSR zu den f√ľhrenden Industrieregionen. Jedoch entsprach die industrielle Struktur den Interessen des gesamtsowjetischen Produktions- und G√ľterkreislaufs. Die lettische Industrie war einerseits weitgehend abh√§ngig von importierten Vorprodukten (einschlie√ülich Energie), andererseits lagen die Absatzm√§rkte v. a. in den anderen Sowjetrepubliken. Da heute ein Gro√üteil der industriellen Anlagen veraltet ist, musste die lettische Industrie von Grund auf umstrukturiert werden. Wichtigste Branchen des Industriesektors sind Maschinen- (Landmaschinen, Diesel-, Elektromotoren) und Fahrzeugbau, die elektrotechnische-elektronische Industrie (besonders im Bereich der Nachrichten- und Haushalttechnik), die Nahrungsmittel-, Textil- und Bekleidungs-, Lederindustrie, Chemiefasererzeugung, Holz- und Papier- sowie Baustoffindustrie. Hauptindustriezentren sind Riga, Daugavpils und LiepńĀja. Ausl√§ndische Direktinvestitionen (1998 357 Mio. US-$) fliessen v. a. in den Finanzsektor, den Handel sowie in das Verkehrs- und Kommunikationssnetz. Zu den gr√∂√üten Alslandsinvestoren z√§hlen D√§nemark, die USA und Schweden.
 
 
Seit der Unabh√§ngigkeit wird der Fremdenverkehr verst√§rkt entwickelt (1999: etwa 0,8 Mio. ausl√§ndische Besucher), die vielerorts prek√§re Umweltsituation sowie fehlende Unterbringungsm√∂glichkeiten hemmen jedoch einen z√ľgigen Ausbau des Fremdenverkehrs. Touristische Anziehungspunkte sind die mittelalterlich gepr√§gte Altstadt von Riga, weite Sandstr√§nde sowie zahlreiche Seen und W√§lder.
 
 
Durch den 1994 erfolgten Abschluss eines EU-Freihandelsabkommens mit den baltischen Staaten konnte besonders der Handel mit Nordeuropa ausgeweitet werden. Wichtigste Handelsg√ľter sind bei der Ausfuhr Holz und -produkte, Textilien und Bekleidung, landwirtschaftliche G√ľter sowie Elektroger√§te und Maschinen, bei der Einfuhr Brennstoffe und sonstige Bergbauprodukte, Elektroger√§te und Maschinen sowie Chemieg√ľter. Die wichtigsten Handelspartner sind Russland, Deutschland, Finnland, Schweden, Litauen und Estland.
 
Verkehr:
 
Lettland verf√ľgt √ľber eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur. Das Eisenbahnnetz weist eine Gesamtl√§nge von (2000) 2 413 km auf, davon sind 270 km elektrifiziert. Das Stra√üennetz umfasst insgesamt 20 300 km, etwa 18 700 km sind befestigt. Mit dem Bau einer rd. 1 000 km langen durchgehenden Verbindung (¬ĽVia Baltica¬ę) von Helsinki nach Warschau √ľber Sankt Petersburg, Tallinn, Riga und Kaunas sollen die baltischen Staaten besser an das mitteleurop√§ische Stra√üennetz angebunden werden. Die v. a. f√ľr den Holz- und Baustofftransport wichtige Binnenschifffahrt auf 347 km langen Wasserstra√üen von D√ľna, Kurl√§ndische Aa und Windau ist nur an 85-135 Tagen im Jahr m√∂glich; der Schiffsverkehr auf der D√ľna ist zus√§tzlich wegen zahlreichen Stromschnellen und Sandb√§nke stark behindert. Ventspils im Nordwesten mit fast drei Viertel des lettischen Hafenumschlags ist der wichtigste Hafen des Baltikums, in dem besonders russisches Erd√∂l sowie Getreide und St√ľckgut umgeschlagen werden. Einen der gr√∂√üten Containerhafen des Baltikums besitzt Riga. Der ehemalige sowjetische Milit√§rhafen LiepńĀja wird f√ľr die zivile Nutzung umgebaut. Die H√§fen von Ventspils und LiepńĀja sind im Gegensatz zu Riga ganzj√§hrig eisfrei. Internationaler Flughafen ist bei Riga. Wichtigste nationale Fluggesellschaften sind die LATAVIO Latvian Airlines oder Latvijas Aviolinijas und deren Tochtergesellschaft Baltic International Airlines.
 
 Geschichte:
 
Als nach Gr√ľndung der Hanse (1161) der Handelsverkehr √ľber den D√ľnaweg sehr stark zunahm, trafen die Kaufleute an der K√ľste Lettlands auf den finnougrischen Stamm der Liven, weiter im Inland auf die baltischen St√§mme der Selen, Semgaller, Kuren und Lettgaller. Ende des 12. Jahrhunderts scheiterte der Versuch einer friedlichen Livenmission unter Bischof Meinhard (1184 erste Kirche in Uexk√ľll). Die milit√§rische Eroberung wurde zun√§chst von dem 1202 gegr√ľndeten Schwertbr√ľderorden und nach dessen Untergang in der Schlacht bei Schaulen (1236) vom Deutschen Orden durchgef√ľhrt. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts waren alle lettischen St√§mme unterworfen und die Grundlagen des altlivl√§ndischen Ordensstaates gelegt. Die Livl√§ndischen Konf√∂deration aus f√ľnf Territorien bildete bis 1561 die politische Ordnung des heutigen Lettland und Estland: das Erzbistum Riga, die Bist√ľmer Dorpat (heute Tartu) und √Ėsel-Wiek, das Bistum Kurland und die ausgedehnten L√§ndereien des Deutschen Ordens. Die st√§dtischen Neugr√ľndungen (1201 Riga) schlossen sich der Hanse an, die wirtschaftliche und politische Macht lag ausschlie√ülich in den H√§nden der deutschen Geistlichkeit, B√ľrger und Ritter. Die rechtliche und soziale Stellung der lettischen Bauern verschlechterte sich im Laufe der Jahrhunderte bis hin zur Leibeigenschaft. Der Sieg der Reformation in Riga (1521) k√ľndigte den Untergang des Ordensstaates an; er wurde im Livl√§ndischen Krieg (1558-82) besiegelt. Der letzte Ordensmeister, Gotthard Kettler, √ľbernahm das Herzogtum Kurland als Lehen des polnisch-litauischen K√∂nigs, der als Sieger aus dem Krieg hervorging. In einem Privileg (1561) sicherte Sigismund II. August den Fortbestand der deutschen Rechtsstellung und Kulturhoheit zu. Der Friede von Altmark (1629) brachte f√ľr Riga und Livland einen neuerlichen Herrschaftswechsel. 1629-1710 befand sich das ¬Ľ√ľberd√ľnische¬ę Land unter schwedische Verwaltung. Lettgallen blieb als ¬ĽPolnisch-Livland¬ę bei Polen-Litauen (bis 1772), Kurland behielt den Status eines eigenst√§ndigen Herzogtums (bis 1795).
 
Im Gro√üen Nordischen Krieg (1700-1721) konnte Peter I., der Gro√üe, Russlands Grenzen bis zur Ostsee vorschieben. Livland mit der Stadt Riga wurde dem Russischen Reich eingegliedert (Frieden von Nystad 1721). Nach den polnischen Teilungen geh√∂rte das gesamte Gebiet des heutigen Lettland zu Russland. Aber das Baltikum blieb auch unter den Zaren eine ¬Ľdeutsche Ecke¬ę im Russischen Reich. Das 19. Jahrhundert brachte jedoch durch Bauernbefreiung (1817-19), nationales Erwachen (etwa 1860-80), Russifizierung, Urbanisierung und Industrialisierung (ab 1860) umw√§lzende Ver√§nderungen im Innern mit sich. Bis zum Ende des Jahrhunderts war Lettland die am st√§rksten industrialisierte Region des Zarenreiches geworden. Das Gewicht der Letten in der Wirtschaft und ihr Anteil an der Stadtbev√∂lkerung nahmen stark zu. Dies ging einher mit der Entstehung eines modernen Nationalbewusstseins. 1881 wurden erstmals die deutschen Privilegien angetastet und das Schulwesen russifiziert. Die Sozialdemokratie gewann im lettischen Industrieproletariat eine besonders starke Anh√§ngerschaft (1904 Gr√ľndung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Lettlands). Die Not der unterb√§uerl. Schichten f√ľhrte in der Revolution von 1905 zu schweren Unruhen auf dem Lande.
 
W√§hrend des Ersten Weltkrieges wurde gleich zu Beginn des deutschen Einmarsches 1915 nicht nur ganz Kurland evakuiert, sondern fast die gesamte Industrie Rigas demontiert und ins Innere des Reiches verschickt. Auf den Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches folgte ein zweij√§hriger B√ľrgerkrieg zwischen b√ľrgerlichen lettischen Kreisen, die einen unabh√§ngigen Nationalstaat errichten wollten (Proklamation der Republik Lettland am 18. 11. 1918), der deutschbaltischen Oberschicht (¬ĽLandeswehr¬ę) und bolschewistischen Kr√§ften, die im Dezember 1918 die Sowjetrepublik Lettland ausriefen und mit den auf ihrer Seite stehenden ¬ĽLettischen Sch√ľtzen¬ę das Land besetzten. Aus den K√§mpfen, an denen aufseiten der ¬ĽLandeswehr¬ę deutschen Truppen unter dem Befehl von General R. Graf von der Goltz beteiligt waren, gingen national gesinnte lettische Kreise um den ersten Ministerpr√§sidenten K. Ulmanis als Sieger hervor. Am 11. 8. 1920 verzichtete Sowjetrussland ¬Ľauf alle Zeiten¬ę auf Lettland. Mit der Einbeziehung Lettgallens gelang die Vereinigung des gesamten lettischen Siedlungsgebietes. 1920 wurden die deutschen Ritterg√ľter enteignet. Die parlamentarische Demokratie der jungen Republik scheiterte an der Vielzahl der Parteien und an den Folgen der Weltwirtschaftskrise. Nach einem unblutigen Staatsstreich am 15. 5. 1934 errichtete K. Ulmanis ein autorit√§res Regime.
 
Nach Unterzeichnung des Geheimen Zusatzprotokolls zum Hitler-Stalin-Pakt (23. 8. 1939) liefen die sowjetische Okkupation (17. 6. 1940) und die Annexion (5. 8. 1940) Lettlands, das als Lettische SSR Unionsrepublik der UdSSR wurde, nach dem gleichen Schema ab wie in den baltischen Nachbarstaaten. 64 000 Deutschbalten verlie√üen das Land. Die Sowjetisierung setzte ein mit der Verstaatlichung der Wirtschaft und der Gleichschaltung des √∂ffentlichen Lebens. Am 14. 6. 1941 wurden in einer Nacht 15 000 Personen nach Sibirien deportiert. W√§hrend der nationalsozialistischen Okkupation (1941-44) wurde die j√ľdische Bev√∂lkerung gr√∂√ütenteils vernichtet (Beteiligung auch lettischer Polizeieinheiten, u. a. des ¬ĽArńĀjs-Kommandos¬ę, an ihrer Ermordung). Nach der R√ľckeroberung Lettlands durch die Rote Armee (Kapitulation der ¬ĽHeeresgruppe Kurland¬ę erst im Mai 1945) flohen etwa 115 000 Letten in den Westen. Auf den Partisanenkampf in den W√§ldern reagierte Stalin mit einer vorgezogenen Kollektivierung der Landwirtschaft, wobei 43 000 lettische Bauern deportiert wurden (M√§rz 1949). Die folgenreichste Ver√§nderung w√§hrend der Sowjetzeit war jedoch der forcierte Ausbau der Industrie trotz fehlender Rohstoffe und der damit verbundene massenhafte Zuzug russischer Arbeitskr√§fte.
 
Die Demonstration am Rigaer Freiheitsdenkmal am 14. 6. 1987, zu der die Gruppe ¬ĽHelsinki '86¬ę aus LiepńĀja aufgerufen hatte, war der Auftakt f√ľr den Freiheitskampf des ganzen Baltikums. Im Oktober 1988 entstand die Volksfront Lettlands (LTF), die sich f√ľr eine gr√∂√üere Selbstst√§ndigkeit der Republik im Verband der Sowjetunion einsetzte. Am 28. 7. 1989 erkl√§rte Lettland seine Souver√§nit√§t. Bei den Wahlen zum Obersten Rat im M√§rz 1990 gewann die LTF die absolute Mehrheit. Angesichts der Reformunwilligkeit der Zentralregierung votierte sie am 4. 5. 1990 f√ľr die Erkl√§rung der Unabh√§ngigkeit von der Sowjetunion. Am 20. 1. 1991 unternahmen sowjetische OMON-Einheiten beim Sturm auf das Rigaer Innenministerium den Versuch einer gewaltsamen Macht√ľbernahme. Nach Scheitern des Moskauer Augustputsches erkl√§rte Lettland am 21. 8. 1991 das endg√ľltige In-Kraft-Treten seiner Unabh√§ngigkeit. Die vorgezogenen ersten Wahlen zum Saeima am 5./6. 6. 1993 brachten eine Koalition aus ¬ĽLettlands Weg¬ę mit Lettlands Bauernunion unter Ministerpr√§sident Valdis Birkavs an die Macht, die jedoch nur bis Juli 1994 hielt (Ausscheiden der Bauernunion, ab September 1994 Kabinett unter MńĀris Gailis). Im Juli 1993 wurde G. Ulmanis (Lettlands Bauernunion) zum Staatspr√§sidenten gew√§hlt (Wiederwahl im Juni 1996). Am 31. 8. 1994 war der Abzug der russischen Truppen aus Lettland abgeschlossen. Nach den Wahlen am 30. 9./1. 10. 1995 wurde im Dezember 1995 die so genannte ¬ĽRegenbogenkoalition¬ę unter dem parteilosen Ministerpr√§sident Andris ҆kńďle gebildet, dem im August 1997 Guntars Krasts (Vaterland und Freiheit) als Regierungschef folgte. Das von Vilis KriŇ°topans (Lettlands Weg) gef√ľhrte Dreiparteienkabinett (November 1998 -Juli 1999) wurde wiederum von ҆ń∑ńďle (seit 1998 Vorsitzender der neu gegr√ľndeten Volkspartei) abgel√∂st. Nach dessen R√ľcktritt bildete im Mai 2000 A. BńďrzinŇ° (Lettlands Weg) eine neue Regierung.
 
Am 17. 6. 1999 wurde die (erst 1998 aus Kanada nach Lettland zur√ľck gekehrte) parteilose Wissenschaftlerin V. Vike-Freiberga als Nachfolgerin von G. Ulmanis zur Staatspr√§sidentin gew√§hlt (Amtsantritt am 8. 7. 1999). Sie unterzeichnete im Dezember 1999 ein umstrittenes (v. a. vom russischen Bev√∂lkerungsteil kritisiertes) Sprachengesetz zum Schutz und zur F√∂rderung der lettischen Sprache, gegen dessen restriktivere erste Fassung sie zun√§chst ihr Veto eingelegt hatte. Am 27. 10. 1995 hatte Lettland als erster der baltischen Staaten die Mitgliedschaft in der EU beantragt (seit 12. 6. 1995 Assoziierungsabkommen); entsprechende Beitrittverhandlungen begannen am 15. 2. 2000.
 
 
R. Wittram: Balt. Gesch. Die Ostseelande Livland, Estland, Kurland 1180-1918 (1954);
 
Von den balt. Provinzen zu den balt. Staaten 1917-1918, hg. v. J. von Hehn u. a. (1971);
 
Von den balt. Provinzen zu den balt. Staaten 1918-1920, hg. v. dens. (1977);
 G. von Rauch: Gesch. der balt. Staaten (31990);
 M. Butenschön: Estland, L., Litauen. Das Baltikum auf dem langen Weg in die Freiheit (1992);
 
Die balt. Nationen Estland, L., Litauen, hg. v. B. Meissner (21991);
 B. Meissner: Die balt. Staaten im weltpolit. u. völkerrechtl. Wandel (1995);
 
Dt. Gesch. im Osten Europas, begr. v. W. Conze, Bd.: Balt. Länder, hg. v. G. von Pistohlkors (1994);
 
Lett. Parteien nach der Unabhängigkeit, bearb. v. C.-Y. Matthes (1995);
 
Die Deutschbalten, hg. v. W. Schlau (1995);
 
Die balt. Staaten im 5. Jahr der Unabhängigkeit. Eine Bestandsaufnahme, hg. v. F. Scholz u. W. Tenhagen (1997).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Estland und Lettland: Nationale Bewegungen im 19. Jahrhundert
 
Baltikum: Kurze Unabhängigkeit der baltischen Staaten
 

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LeŐ£tt|land; -s: Staat in Nordosteuropa.

Universal-Lexikon. 2012.

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